Buchhaltung live

Berufswahnsinn Bilanzbuchhalter

Neu im Geschäft

Erstellt von admin am 23. März 2010

Manchmal ist es schon skurill, welche Stilblüten die aktuelle wirtschaftliche Situation mit sich bringt.

So habe ich heute einen potentiellen Neukunden am Telefon gehabt, der sich von siner klassischen Versicherungsvermittler-Tätigkeit verabschieden möchte. Statt dessen möchte er seinen Kunden nun eine sichere Kapitalanlage, nämlich Goldbarren, anbieten. Ob wir hier mit ihm zusammenarbeiten möchten.

Die Handhabung des steuefreien Investementgoldes war ihm nichts Unbekanntes. Seine Anfrage konkretisierte er, ob er denn das Material auf Abruf zur Verfügung bekäme und wie er bezahlen kann. Natürlich sei ihm die Banküberweisung am liebsten. Uns auch, denn Barzahlung ist einfach nicht möglich.

Prinzipiell sind wir Neukunden gegenüber aufgeschlossen. Als er jedoch seine Mengen nannte, die er abkaufen wollte wurde ich ein wenig hellhörig. Auch wenn er aus seiner Versicherungstätigkeit einige Kunden kennt, aber er monatlich Kiloweise das Gold verkauft bringt, wage ich doch einmal zu bezweifeln. Welche Strategie dahintersteckt bleibt mir verborgen.

Zu welchem Preis sollten die Kunden denn bei ihm kaufen? Falls er etwas verdienen möchte, muss er auf den Einkaufspreis bekanntermaßen einen Aufschlag tätigen. Das ist der Moment, bei dem es für seine Kunden unattraktiv wird. Schließlich können diese es sich dann bei Ihrer Bank oder Sparkasse direkt kaufen. Und das teilweise billiger, je nach dem in welchen Mengen und Gewichten diese sich bei uns oder anderen Lieferanten eingedeckt haben.

Viele sehen aktuell den hohen Goldpreis von fast 26,00 Euro pro Gramm im Ankauf, im Verkauf haben ist der Preis bei ca. 27,80 Euro pro Gramm unverarbeitet. 

Unverarbeitet bedeutet im Regelfall die Lieferung von Granalien oder Kauf auf Gewichtskonto. Soll das Metall in einem anderen Zustand geliefert werden, z.B. als Goldbarren, so fallen weitere Kosten (Formkosten) an. Diese treiben den Preis in der Relation zum 1-Gramm-Barren stark nach oben.

Sehr schön sieht man dies im Onlineshop von ProAurum. Ein Blick auf den 1 Gramm Barren und den 2,5 Gramm Barren zeigt den Unterschied. Nehmen wir 27,80 Euro als Basis für ein Gramm Gold, so sind im ersten Barren 8,20 Euro (~30%) Formkosten enthalten. Der 2,5 g Barren hat nur noch einen Aufschlag von ca. 13 %.

Dies ist bei der Kapitalanlage in Gold zu berücksichtigen, denn diese Kosten gibt es bei der Rückgabe des Barrens nicht zurück. So muss das Gold eine weitere, immense Wertsteigerung haben, um die Anschaffungskosten zu refinanzieren. Und wir befinden uns heute bereits auf einem hohen Niveau.

Abgelegt unter Alltägliches | Keine Kommentare »

Bezug zu Edelmetallen

Erstellt von buhacont am 17. März 2010

Unsere Neukunden prüfen wir hier sehr genau, zumindest so genau, wie es die Informationsmöglichkeiten des Internets und der öffentlich zugänglichen Quellen erlauben.

So hatte ich heute die Anfrage des Vertriebs, ob wir einen Neukunden akzeptieren können. Meine Aufgabe liegt nun darin, unter anderem zu Recherchieren,

  • ob es sich um einen Unternehmer handelt,
  • ob Eintragungen im Unternehmensregister vorliegen
  • ein Bezug zu Edelmetallen besteht
  • die Geschäfte nachvollziehbar sind
  • u.v.m.

Bei diesem türkischstämmigen Kunden war ich mir nun nicht ganz sicher, wie ich den Bezug zu Edelmetall bekommen soll, schließlich war das erste Suchergebnis bei Google, dass es sich um ein Reisebüro handelt.

Was tun? Ich entschloß mich, Besim zu kontaktieren und ihm hierzu ein paar Fragen zu stellen. Von ihm erfuhr ich, dass in der Türkei goldene Armreifen das klassische Geld ersetzen, man trau(t)e der eigenen Währung und Banken nicht. Auch ist es wohl verbreitet, dass man eine Art privates “Western Union” betreibt und zur Sicherheit das eine oder andere Schmuckstück hinterlegt. Oder als Pfandhaus fungiert und seinen türkischen Mitmenschen einen Kredit gewährt, der mit Schmuck abgesichert ist.

So kann es also sein, dass mein Reisebürobetreiber durch diese Aktivitäten zu Schmuckstücken kommt, die er nun bei uns aufarbeiten lassen möchte. Es ist für mich plausibel, dass türkische Mitmenschen eher zu einem türkischen Geschäftsmann gehen, als zu einem deutschen Aufkäufer.

Ich habe die Unterlagen zu Kundenanlage weitergereicht.

Der guten Ordnung halber möchte ich noch anmerken, dass der Kunde den Ankauf von Gold in seiner Gewerbeanmeldung aufgeführt hat, aber der Bezug Türkei <-> Reisebüro <-> Gold hat doch erstmal einige Fragen aufgeworfen.

Abgelegt unter Uncategorized | Keine Kommentare »

Ich möchte Umsatzsteuer

Erstellt von buhacont am 4. Januar 2010

Mit diesem Satz begann ein Telefonat mit einem Neukunden.

Neukunden werden bei uns bekanntermaßen ersteinmal angeschrieben, um die Eigenschaft als Unternehmer bestätigen zu lassen. Nun meinte ein Kunde, dass er doch Unternehmer sei und mir die entsprechende Mitteilung gerne zusenden würde. Ich erklärte ihm, dass es dann kein Problem sei, die Umsatzsteuer zu vergüten.

Meine Aussage war etwas voreilig. Das Schreiben, welches er mir zufaxte, war brandaktuell vom Finanzamt ausgestellt, hatte aber auch eine klare Ansage zur Verwendung der Steuernummer:

Angaben zu den steuerlichen Verhältnissen:

1. Hiermit wird bescheinigt, dass der oben bezeichnete Antragssteller hier

seit dem 1.1.2000 mit folgenden Steuerarten geführt wird:

Einkommenssteuer

[...]

Finanzverwaltung [...]

09.12.2009
Siegel & Unterschrift

Eindeutig keine Chance zur Vergütung der Umsatzsteuer. Wer beim Finanzamt nur zur Einkommensteuer veranlagt wird, keine Gewerbeanmeldung vorlegt und dann Umsatzsteuer bekommen will, ist bei mir an der falschen Adresse.

Ich habe ihn bei meinem Rückruf darum gebeten, beim Finanzamt vorstellig zu werden und die entsprechende Änderung eintragen zu lassen. Das scheint ihm zu viel Aufwand. Gut, vergüten wir keine Umsatzsteuer, dann geht schonmal nichts schief.

Abgelegt unter Umsatzsteuer | Keine Kommentare »